Aus der DDR

Der Alltag

Der Autor von „dwrweb.de“ ist ein „Kind der DDR“ - groß geworden nicht nur mit sozialistischer Schul- und Lehrausbildung und ohne Reisefeiheit - sondern auch mit allerlei Alltäglichem, das in der Erinnerung (sicher vieler „Ossis“) haften geblieben ist. Einiges von damals hat den Übergang zum Kapitalismus gut überlebt und beschert Markeninhabern heute volle Kassen.
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Wappen der DDR
Quelle: Wikipedia)
Fast 5.000 Mark für einen kleinen Farbfernseher im Koffer-Format, die begehrte Zeitschrift „Wochenpost“ am Kiosk nur für (mit dem Verkäufer bzw. der Verkäuferin) „befreundete“ Kunden erhältlich, die Schrippe für 5 Pfennig - nur drei Erinnerungen, die für den Autor untrennbar mit den 1980er Jahren verbunden sind. Am Anfang jenes Jahrzehnts stand für ihn der Beginn der Lehrausbildung, und man lernte zu den Rechtsnormen in der DDR hier auch, dass der Ausbildungsbetrieb am Ende verpflichtet ist, dem angehenden Facharbeiter einen Arbeitsvertrag anzubieten. Das taten die volkseigenen Betriebe auch bei schlechteren Noten auf dem Facharbeiterzeugnis („Hauptsache bestanden“) - schließlich litten die meisten an chronischem Arbeitskräftemangel.

Zum Alltag in Berlin gehörte aber auch - welcher Leser, der ab 1990 geboren ist, kann sich das eigentlich noch vorstellen? - dass die S-Bahn aus beiden Richtungen im Bf Friedrichstraße endete und von Osten aus oft ein sehnsuchsvoller Blick auf den Ostkopf der „Westbahnsteige“ A und B ging, wenn dort die letzten Wagen des Schnellzuges nach Westerland zu sehen waren. Auf dem Weg zur Lehrausbildung sah der Autor diesen Schnellzug täglich.
Ironie des Schicksals: In der Betriebsschule der Deutschen Post in der Scharnhorststraße wurden in alt-ehrwürdigen Räumen junge Menschen zu „sozialistischen Persönlichkeiten“ erzogen, während ein Blick aus dem Fenster genügte, um über die Mauer hinüber zum kapitalistischen Wedding zu schauen.

Ein großer Nachteil der DDR-Bürger war freilich die für die Meisten nicht existente Reisefreiheit. Auslandsreisen mussten sich ohne Antragstellung auf die ČSSR bgeschränken; nach Ungarn, Rumänien und Bulgarien ging es nach Antragstellung, die auch - ohne Einladung - zu rein touristischen Zwecken möglich war. Für den Rest des sozialistischen Auslandes war eine Einladung (Polen) oder die Teinahme an organisierten Gruppenreisen (so z.B. zum „großen Bruder“, in die Sowjetunion) erfordelich.

Ein großer Vorteil der DDR-Bürger hingegen war das oft herrschende Zusammengehörigkeitsgefühl. Dies nicht nur, um sich in der Mangewirtschaft mit raren Gütern versorgen zu können, sondern auch im Arbeitsleben - und dort wird dieser Zusammenhalt unter den Kollegen heute oft vermisst.

Stichwörter

Nachfolgend ein paar Begriffe, die in der DDR jeder kannte - eine Auswahl von „Ata“ bis „Zugauskunft“:
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Ata: War ein Scheuermittel. Nach der Wende wurde es von der Fa. Henkel (in zeitgemäßer Plastedose und in ganz anderer Aufmachung) wieder belebt, heute kann man es unter dem Namen „Sidol-Ata“ kaufen.
ABV: Stand für „AbschnittsBeVollmächtigter“. War ein Polizist, der die Betreuung eines kleineren Abschnittes (z.B. Wohngebietes) übernahm. Für die Bürger sollte er auch so etwas wie „Ansprechpartner vor Ort“ sein. Teilweise vergleichbar mit dem heutigen Kontaktbereichsbeamten.
Ausreiseantrag: In der Umgangssprache stand der Begriff für das Stellen eines Antrages auf Übersiedlung nach Westberlin bzw. der BRD - mithin für das Begehren, der DDR für immer den Rücken zu kehren und aus ihrer Staatsbürgerschaft entlassen werden zu wollen. Aber es gab auch Formulare „Antrag auf Ausreise aus der DDR“, die einen ganz anderen Zweck erfüllten: Damit beantragte man Besuchs- oder Touristikreisen in Länder, für die allein der Personalausweis der DDR nicht ausreichte. Das war jegliches Ausland mit Ausnahme der ČSSR. Diese Anträge lagen bei den Meldestellen der Volkspolizei-Kreisämter aus und mussten auch dort eingereicht werden. > siehe PDF
Bezirke: Die DDR war in 14 Bezirke und die Hauptstadt Berlin aufgeteilt. Jeder Bezirk trug den Namen der Bezirkshauptstadt: Rostock, Schwerin, Neubrandenburg, Frankfurt (Oder), Potsdam, Cottbus, Magdeburg Halle, Leipzig, Gera, Karl-Marx-Stadt, Dresden, Erfurt, Suhl.
BGL: Bezeichnete die „Betriebs-GewerkschaftsLeitung. Sie war die Organisationsebene des „Freien Deutschen Gewerkschaftsbundes“ (FDGB) in den staatlichen Betrieben. Der FDGB war die Einheitsgewerkschaft in der DDR; der größte Teil der Werktätigen (wie die Arbeitnehmer in der DDR genannt wurden) war dort Mitglied. Die BGL arbeitete eng mit der BPO (siehe folgendes Stichwort) und mit der Werks- bzw. Betriebsleitung zusammen.
BPO: War die Abkürzung für „Betriebs-ParteiOrgansisation“. Dahinter stand die Organisationsebene der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) in den staatlichen Betrieben. Jeder Betrieb bzw. jede staatliche Dienststelle hatte (nebst der BGL) auch eine BPO, die mindestens aus einem Parteisekretär bestand. In der Dienststelle „Bahnhof Berlin-Lichtenberg“ der Deutschen Reichsbahn gab es einen hauptamtlichen Parteisekretär („Parteier“ genannt). Dieser war für die Betreuung der „Genossinnen und Genossen“ (wie die SED-Mitglieder gennannt wurden) des Bahnhofes zuständig und leitete die wöchentlichen Parteiversammlungen. In diesen trafen sich (im genannten Beispiel immer montags) die SED-Mitglieder „an der Basis“. Seinerzeitigen Berichten von Parteimitgliedern des Bf Berlin-Lichtenberg zufolge konnten in diesen „Basis-Versammlungen“ auch kritische Meinungen geäußert und Missstände benannt werden, da der örtliche Parteisekretär um Längen weniger „weltfremd“ war als die Führungsriege der SED. In der örtlichen Parteigruppe waren oft Kollegen vertreten, die glaubten, durch ihre Mitgliedschaft in der SED und offene Diskussionen in Parteiversamm- lungen wirklich Veränderungen bewirken zu können.
EOS: Stand für „Erweiterte OberSchule“. Sie führte bis zur 12. Klasse, also bis zur Abiturstufe. Schüler, die in der regulären Schule, der POS, gute Leistungen brachten, hatten die Chance, ab einer bestimmten Klassenstufe zur EOS zu wechseln.
EVA: Stand für „Einheits-Vorzimmer-Anlage“. Die so bezeichneten Telefonanlagen gehörten in den meisten Betrieben zum Büro-Standard. Sie wurden 1966 (EVA 66) und 1967 (EVA 67) entwickelt und bis zur Wende 1989 produziert.
Faustan: Dieses Medikament ist dem Autor aus DDR-Zeiten als Beruhigungsmittel bekannt und wurde u.a. bei Schlafstörungen verschrieben. In Literatur über Zustände in Gefängnissen des ehemaligen Ministeriums für Staatssicherheit sind aussagen von Zeitzeugen zu lesen, dass dort Häftlingen dieses Mittel auch zwangsweise verabreicht wurde. Heute ist „Faustan“ eine geschützte Marke. Bei der Recherche zu diesem Artikel ließ sich sich ein Produkt dieser Marke in Ampullen finden, welches den Wirkstoff Diazepam verwendet. In der Beschreibung wird vor diversen Nebenwirkungen gewarnt und hingewiesen, dass Symptome auch anderweitig behandelt werden können.
Grenzsperrgebiet, Grenzgebiet: An der Grenze DDR / BRD gab es ein 5 Kilometer ins Innere der DDR reichende Grenzsperrgebiet (offizielle Bezeichnung: „Schutzstreifen“), in das man als Tourist nicht einreisen durfte. Man musste entweder dort wohnen, bei Reisen in Ferienheime entsprechende Nachweise haben oder zum Besuch von Verwandten einen Passierschein beantragen. Somit sollten potentielle Flüchtlinge schon weit vor der eigentlichen Grenze abgefangen werden. Personenzüge, die das Grenzsperrgebiet durchfuhren (wie etwa die Harzquerbahn), wurden von Transportpolizei begleitet, die oft die Ausweise der Fahrgäste kontrollierte. Ausführlich beschrieben ist das Thema „Grenzstaffelung“ (zu welcher der Schutzstreifen gehört) im eBildband „Übergang zum ‚Klassenfeind‘ “ ab Seite 37.
Grilletta: War eine gebratene Hackfleisch-Scheibe im Sandwich-Brötchen, mit Ketchup, Gurkenscheiben und Käse. Ehestes Pendant heute wäre der Cheeeseburger. Siehe auch Wikipedia-Artikel.
Goldbroiler: Waren gegrillte Hähnchen, allerdings deutlich größer als die heute üblichen Grillhähnchen. Auch zu diesem Begriff gibt es einen Wikipedia-Artikel.
GST: Stand für „Gesellschaft für Sport und Technik“. Im Grunde hatte sie die Aufgabe, die männlichen Jugendlichen auf den Wehrdienst in der NVA vorzubereiten. Etliche junge Leute traten der GST bei, um z.B. dort ihren Führerschein erwerben zu können (sonst waren sehr lange Wartezeiten auf Führerscheinlehrgänge üblich) oder um dem Hobby Amateurfunk nachgehen zu können. Während der Lehrzeit des Autors mussten am Anfang jedes Lehrjahres alle männ- lichen Lehrlinge zwangsweise in ein GST-Lager fahren und erhielten dort eine vormilitärische Ausbildung. Dazu hatten sie auch GST-Uniformen anzuziehen, egal ob sie Mitglied der GST waren oder nicht. Die eigentliche Lehrausbildung begann dafür erst einige Tage später. Die weiblichen Lehrlinge mussten derweil in der Berufsschule einen Kurs „Zivil- verteidigung“ absolvieren.
GÜSt: Abkürzung für „GrenzÜbergangsStelle“. Die Grenze zu den sozialistischen Staaten war eine „grüne Grenze“, die nach Westen hin bekanntermaßen mit dem Eisernen Vorhang (der Mauer) verstellt, was im offiziellen DDR-Deutsch als „antifaschistischer Schutzwall“ bezeichnet wurde.
HO: War die Abkürzung für „HandelsOrganisation“. Insbesondere im Lebensmittelhandel waren die Geschäfte aufgeteilt in „HO“-Läden und „Konsum“-Läden. Auch Gaststätten unterhielt die staatliche HO.
Ketwurst: Gab es hauptsächlich in Berlin zu kaufen. War eine Bockwurst in einem Baguettebrötchen, mit Ketchup. Heute würde man am ehesten „Hot-Dog“ dazu sagen, obwohl es nicht ganz das Selbe ist. Die Ketwurst zählt aber zu jenen DDR-Artikeln, die im Kapitalismus „wieder auferstanden“ - und zur geschützten Marke geworden sind. Thomas Stürmer ist mit seiner Firma „Original Ketwurst“ im Handelszentrum Berlin Friedrichstraße ansässig. So wundert es nicht, dass der bekannteste Ketwurst-Stand heute im Zwischengeschoss des U-Bahnhofes Friedrichstraße auf hungrige U-Bahn-Fahrgäste wartet. Diese schmeckt wie früher, kostet aber freilich mehr als früher (dereinst 1,50 Mark/DDR).
KONSUM: Die „Konsum“-Genossenschaften in der DDR betrieben Lebensmittelgeschäfte, Gaststätten und Produktionsbetriebe. Beim Einkauf im Lebensmittelhandel bekam man hier „Konsum-Marken“. Hatte man ein Buch damit voll geklebt, konnte man es einreichen und erhielt eine Rückzahlung (ähnlich den heutigen Bonussystemen wie „Payback“). Ferner gehörten die „konsument“-Warenhäuser zum Konsum. Das Wort wurde - vor dem Hintergrund der Mangelwirtschaft in der DDR - im Voklsmund auch verballhornt: „Kauft Ohne Nachzudenken Schnell Unseren Mist!“ Die Geschichte des Konsums in der DDR und nach 1990 ist in einem Wikipedia-Artikel dargestellt.
LPG: Stand für „Landwirtschaftliche Produktions-Genossenschaft“. Heute ist die Abkürzung wieder allgegenwärtig, allerdings in einem anderen Zusammenhang: „Liquefied Petroleum/Propane Gas“ (Autogas). Die LPG in der DDR war der (zwangsweise) Zusammenschluss von Bauern zu größeren - und nach sozialistischen Maßstäben geführten - Betrie- ben der Agrarwirtschaft. Laut Wikipedia-Artikel „war [die Gründung von LPG] zum Teil eine indirekte Notwendigkeit aus der Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone“. Weitere - weitaus weniger verbreitete - Rechtsformen von landwirtschaftlichen Produktionsbetrieben waren die „Volkseigenen Güter“ und im Gartenbau die „, Gärtnerischen Produktionsgenossenschaften“ (GPG).
NSW: Bedeutete „Nicht Sozialistisches Wirtschaftsgebiet“. Dies umfasste teilweise auch Länder, die in der offiziellen DDR-Übersetzung als „sozialistisch“ bezeichnet wurden, wie etwa die „Sozialistische Förderative Republik Jugoslawien“ (SFRJ). DDR-Bürger durften dorthin nur nach den Maßstäben reisen, die auch für die Genehmigung von Reisen in das kapitalistische Ausland (das freilich auch unter den Begriff „NSW“ fiel) galten.
Nudossi: Die leckere, aber auch fettige Haselnusscreme gehörte in der DDR zu den begehrten Produkten, die es nur selten oder nur im „Delikat“-Laden zu kaufen gab. Die Firma „Sächsische und Dresdner Back- und Süßwaren GmbH & Co. KG“ hat Nudossi ein Markendasein im Kapitalismus beschert und setzt dabei auch auf seine Herkunft „aus dem Osten“. Im Online-Shop auf der Homepage von „Nudossi“ fehlt auch ein anderer Klassiker aus der DDR nicht - der „Kalte Hund“, ein schokoladen- und fettlastiges (aber leckeres) „Gebäck“, das ohne Backofen zubereitet wird.
NVA: Stand für „Nationale VolksArmee“. Wie auch in Armeen anderer Staaten üblich, bestand Wehrpflicht für die männlichen Bürger ab 18 Jahre; allerdings gab es nicht so etwas wie die Möglichkeit der Kriegsdienstverweigerung (Zivildienst). Wer studieren wollte, dem wurde nahe gelegt, sich mindestens für drei Jahre NVA zu verpflichten. Die reguläre Wehrdienstzeit betrug 1½ Jahre.
PKE: War die Abkürzung für Paß-Kontroll-Einheit. Diese war dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellt und kontrollierte an den Grenzen bei der Aus- und Einreise die Personen und Güter. Die PKE-Bediensteten trugen die Uniform der Grenztruppen der DDR.
POS: Stand für „Allgemeinbildende Polytechnische Oberschule“. Das war eine zehnklassige Schule, die praktisch jeder DDR-Bürger durchlief. Es bestand Schulpflicht bis zur 10. Klasse; Abgänge nach der 8. Klasse waren Sonderregelungen für leistungsschwächere Schüler. Fächer in der POS (u.a.): Mathematik, Deutsch, Kunsterziehung, Physik, Staatsbürgerkunde; PA (= Praktische Arbeit in einem Produktionsbetrieb), ESP (= Einführung in die Sozialistische Produktion), Russisch (ab 5. Klasse).
Reisegesetz / Reiseverordnung: Die Reisemöglichkeiten von DDR-Bürgern in das Ausland wurden in der „Verord- nung über Reisen von Bürgern der DDR nach dem Ausland“ - zuletzt vom 30.11.1988 - geregelt. Mit dieser Neuregelung durften mehr DDR-Bürger als zuvor in „dringenden Familienangelegenheiten“ in das nicht sozialistische Ausland reisen. Dennoch blieb der Eiserne Vorhang für den Großteil der DDR-Bürger undurchlässig.
Simagel: Wer zu gut gegessen hatte und sich anschließend mit Sodbrennen oder/und Übelkeit herum schlagen musste, griff zu einer Lutschtablette diesen Namens. Alternative Arzneimittel dazu gab es nicht. Das Lutschen der weißen Tabletten verursachte einen sandigen Geschmack im Mund. „Simagel“ gibt es auch heute noch. Hersteller ist die Firma Miebe Arzneimittel GmbH in Brehna (bei Halle/Saale). Diverse Online-Apotheken bieten das Produkt an.
Sputnik: Dieses russische Wort für „Weggefährte“ bezeichnet ursprünglich die ersten zehn sowjetischen Satellieten, die in eine Erdumlaufbahn gelangten. Unter Berlinern wurde der Begriff aber auf die Eisenbahn adaptiert. Auf dem Berliner Außenring fuhren Personenzüge (teilweise im Wendezugbetrieb) rund um Westberlin; diese wurden auch „Sputniks“ genannt. Besonders traf das für die Züge der Relation Berlin - Potsdam - Werder (Havel) zu. „Mit dem ‚Sputnik‘ nach Potsdam fahren“ war eine recht verbreitete Redensart.
Transitzüge: siehe separaten Abschnitt
Transportpolizei: War die Bahnpolizei in der DDR, zu erkennen an der blauen Uniform, die von Weitem der blauen Uniform der Deutschen Reichsbahn ähnelte. Alle größeren und viele kleinere Bahnhöfe wurden von der Transportpolizei bewacht, ebenso war sie in Reisezügen oft anzutreffen. Im Grenzgebiet, gerade zur BRD, kontrollierte sie Reisende (auch des Binnenverkehrs) mitunter lange vor der eigentlichen Staatsgrenze. Spitznamen im Volksmund waren: „Trapo“, „Blaubeeren“ (wegen der blauen Uniform).
urst: War eine Redensart vornehmlich unter jungen Leuten. Man könnte es vielleicht mit „besonders“ übersetzen. Benutzt wurde es etwa bei Feststellungen wie „Das ist ja urst teuer“ oder „Das fetzt urst“ (sinngemäß: „Ist echt toll!“).
VEB: War die Abkürzung für „VolksEigener Betrieb“. Diese Rechtsform hatte der größte Teil der Betriebe in der DDR. Einige VEB gehörten auch zu Kombinaten (siehe dort). Die VEB wurden staatlich gelenkt von einem Werks- bzw. Betriebsdirektor. Im Wikipedia-Artikel wird weiter ausgeführt: „ Ihm zur Seite standen der Erste Sekretär der SED-Betriebsparteiorganisation (BPO) und der Vorsitzende der Betriebsgewerkschaftsleitung (BGL).“
Würzfleisch: Laut Wikipedia heißt das auch „Ragout“. Der Beriff verkörpert (Zitat Wikipedia) ein „Gericht aus geschmorten oder gedünsteten, meist kleinen Fleisch-, Geflügel-, Wild- oder Fischstücken oder Pilzen und weiteren Zutaten in einer pikanten, oft sämigen Sauce“. Es wurde in der Regel in einer Suppentasse oder auf einem kleinen Suppenteller mit Brot serviert und nicht als Hauptgericht mit Kartoffeln oder Reis. Rezepte für Würzfleich finden sich z.B. auf einer DDR-Rezepteseite oder auf „kochbar.de“.
Zugauskunft: Auf größeren Bahnhöfen in der DDR gab es - nebst Fahrkarten- und Platzkartenschaltern (beide separat) - auch Räume für die Zugauskunft („Information“). Ein Reisewilliger, der kein Kursbuch sein Eigen nennen konnte, musste seine Bahnreise mit folgenden Schritten vorbereiten: Erstens - zur Zugauskunft, die Verbindungen erfragen und (selbst) aufschreiben; zweitens - zum Fahrkartenschalter, die Fahrkarte kaufen (die Schalter waren getrennt nach „Binnenverkehr“ und „Ausland“; Fahrkarten in die BRD gehörten zu letzterem); ggf. drittens - zum Platzkartenschalter, Reservierungen tätigen. (Eine Platzkarte für Sitzwagen kostete in der 2. Klasse 0,50 Mark und in der 1. Klasse 1,00 Mark/DDR).

Transitzüge, Interzonenzüge und internationale Schnellzüge DDR - BRD

Oft wird heute nur noch von „Interzonenzügen“ geredet, wenn über Eisenbahnverbindungen zwischen den ehemals beiden deutschen Staaten berichtet wird. „Interzonenzüge“ hießen sie tatsächlich am Anfang der Teilung; im Westen hat sich der Begriff hartnäckig gehalten. Die Eisenbahner in der DDR unterschieden in den 1980er Jahren zwischen
Transitzügen zwischen Berlin (West) und der BRD - mit 300er Zugnummern, sowie
internationalen Schnellzügen, die nicht Berlin berührten - mit 400er Zugnummern.
Das Zugnummernschema (300er, 400er Nummern) galt auch für andere grenzüberschreitende Züge; die Züge von Berlin in Richtung ČSSR zum Beispiel hatten auch 300er Nummern.

Die
Transitzüge zwischen Berlin (West) und der BRD zeichneten sich u.a. durch folgende Merkmale aus:
Sie fuhren ohne Verkehrshalte zwischen Berlin und dem Grenzbahnhof zur BRD durch. In einigen Fällen (z.B. Gerstungen) war auch der Halt im DDR-Grenzbahnhof vor der Passage der Grenze zur BRD kein Verkehrshalt.
DDR-Bürger durften diese Züge für Reisen innerhalb der DDR nicht benutzen.
Nach dem Verlassen von Berlin (West) hatten diese Züge einen Kontrollaufenthalt auf dem nächsten DDR-Grenzbahnhof (bei Fahrten über Wannsee war das Griebnitzsee, bei Fahrten über Spandau war es Staaken/DDR). Hier stiegen zu: Zugbegleitkommando der Transportpolizei, Passkontrolleinheit (PKE) und Zollverwaltung der DDR. Die Vertreter derr Kontrollorgane begleiteten die Züge bis zum Grenzbahnhof zur BRD (also bis Schwanheide, Marienborn, Gerstungen, Probstzella bzw. Gutenfürst). Bei in Richtung Berlin fahrenden Zügen geschah das analog.
Bürger von Berlin (West), der BRD sowie anderer Staaten benötigten für die Fahrt in diesen Zügen ein DDR-Transitvisum, das gegen Gebühr im Zug ausgestellt wurde.
Die Züge hatten auf dem Gebiet der DDR teilweie Betriebshalte zum Lokwechsel (z.B. nach Gerstungen in Dessau und Erfurt) oder Lokführerwechsel (z.B. nach Marienborn in Magdeburg-Sudenburg).
Bei der Durchfahrt der Züge auf größeren Bahnhöfen der DDR bzw. bei den Betriebshalten erfolgten „Sicherungs- maßnahmen“ der örtlichen Kräfte der Transportpolizei. Der Autor erinnert sich daran, dass z.B. in Wittenberge der Durchfahrtbahnsteig menschenleer sein musste.
Für die internationalen Schnellzüge zwischen der DDR und der BRD galt u.a.:
Die Züge durften von DDR-Bürgern auf dem DDR-Abschnitt bis zum letzten Verkehrshalt vor dem 5-km-Schutzstreifen vor der „Staatsgrenze West“ benutzt werden. Beim D 444 ( Görlitz - Cottbus - Königs Wusterhausen - Flughafen Berlin-Schönefeld - Potsdam Hbf - Magedeburg Hbf - Marienborn - Helmstedt - Köln) zum Beispiel war der Binnenverkehr bis Magdeburg Hbf erlaubt; beim Gegenzug D 445 respektive ab Magdeburg Hbf.
Fuhren DDR-Bürger in diesen Zügen versehentlich über den letzten Bahnhof vor dem Grenzgebiet hinaus (vergaßen z.B. das Aussteigen in Magdeburg Hbf, weil sie eingeschlafen waren), wurden sie der versuchten Republikfucht („ungesetzlicher Grenzübertritt“) verdächtigt. Es wurde in diesem Zusammenhang von Festnahmen berichtet. In jedem Fall hatte der potentielle „Grenzveletzer“ eine umfängliche und zeitaufwändige Verhörprozedur über sich ergehen zu lassen, möglicherweise verbunden mit weiteren Repressalien - auch dann, wenn dies in Zügen passierte, die nachts die Grenze zur BRD erreicht hatten.
Fallweise wurden diese Züge bereits weit im Vorfeld des letzten DDR-Haltebahnhofes vor der „Staatsgrenze West“ von Transportpolizei begleitet. Der Autor erlebte einen solchen Fall zwischen Erfurt und Eisenach, wobei die Polizisten von jedem Reisenden im Großraumabteil die Ausweise bzw. Reisepässe kontrollierten. Dem Autor - damals im jugendlichen Alter - wurde dabei der Personalausweis abgenommen und erst nach Ausstieg auf dem Bahnsteig in Eisenach wieder ausgehändigt (ungeachtet knapper Umsteigezeit nach Meiningen).
Die Deutsche Bundesbahn hatte (wie für alle Schnellzüge) auch für die internationalen Schnellzüge von/nach der DDR Faltblätter „Ihr Zugbegleiter“ gedruckt und ausgelegt. In den Zügen aus der BRD (z.B. im D 445, Köln - Görlitz) gelangten diese Druckerzeugnisse auch in den DDR-Binnenverkehr; sie wurden im Grenzkontrollabschnitt (hier: Marienborn - Mageeburg Hbf) nicht eingesammelt. So konnten auch DDR-Bürger an diese Faltblätter - die auch „westliche“ Werbung enthielten - heran.
Letzte Aktualisierung der Homepage: 29.10.2016
 
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Dieser eBildband zeigt Ihnen die Sicherung der „Staatsgrenze West“ an den GÜSt Marienborn und Gerstungen sowie „auf freiem Feld“ bei Behrungen. Bei Interesse erwerben Sie bitte die Vollversion. Für diesen Bildband können auch Sonderkonditionen vereinbart werden, wenn Sie Vertreter einer Bildungseinrichtung sind!

„Reiseverordnung“ vom 30.11.1988

Hier erhalten Sie einen Nachdruck der „Verordnung über Reisen von Bürgern der DDR nach dem Ausland“ vom 30.11.1988 (Abschrift des DDR-Gesetzblattes, kostenlos)

Verzeichnis der Grenzübergangsstellen der DDR

Sämtliche Grenzübergangsstellen der DDR - zur Volksrepublik Polen, ČSSR und BRD, die See- und Flughäfen sowie nach Berlin (West) - sind in dieser Überischt aufgelistet. Das Dokument basiert auf der „Anlage zu § 18 der Durchfüh- rungsverordnung zum Gesetz über die Staatsgrenze der Deutschen Demokratischen Republik (Grenzverordnung) vom 25.März 1982 sowie deren Änderungen bzw. Ergänzungen“.

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Strafgesetzbuch der DDR (StGB)

Dies ist ein PDF-Ausdruck des kompletten Strafgesetzbuches der DDR vom 12.01.1968 mit allen Änderungen bis zur Aufhebung dieses Buches durch den Einigungsvertrag. vom 31.08.1990 Quelle: www.verfassungen.de

„Antrag auf Ausreise aus der DDR“ und „Ausreiseantrag“

Die beiden Begriffe werden sehr oft verwechselt. Mit ihnen wurden zwei völlig verschiedene Dinge bezeichnet, nämlich einmal die Ausreise für den Besuch eines anderen Landes und zum anderen die ständige Ausreise zwecks Übersiedlung. Außerdem wird die Personenkennzahl (PKZ) erklärt.

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