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Willkommen bei Diego Wegner

Deutsche Demokratische Republik (DDR)

Die DDR wurde am 7. Oktober 1949 auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone des Nachkriegsdeutschland gegründet. Mit dem Beitritt zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 ging „der erste sozialistische Staat auf deutschem Boden“ (offizille Selbstbezeichnung durch die Partei- und Staatsführung) in die Geschichtsbücher ein.

DOWNLOADS zum Thema befinden sich am Ende dieser Seite.


Warum eine Seite über diesen Staat?

Die DDR ist der Staat, in dem ich geboren und aufgewachsen bin. Zum Zeitpunkt der politischen Wende im Herbst 1989 wat ich 24 Jahre jung, zum Zeitpunkt des Beitritts der DDR zur BRD 25 Jahre. Ein viertel Jahrhundert lebte ich also im real existierenden Sozialismus, die Jugendzeit prägt einen Mensch, in dieser Zeit verinnerlicht man wichtige Werte. Einige dieser Werte, den Umgang miteinander betreffend, verschwinden leider zunehmend, zumindest gefühlt: Gegenseitiger Respekt, weniger Gegeneinander, mehr Miteinander.

Das Buch „Konspirative Liebe“ zeichnet den Alltag eines Jugendlichen in den letzten drei Jahren der DDR nach. Damals waren einige Begriffe selbstverständlich im täglichen Sprachgebrauch, die heute nur noch die wenigsten Leute kennen, manche wurden bzw. werden auch zu Marketing-Zwecken benutzt. Eine Auswahl solcher Begriffe soll hier in Erinnerung gerufen werden, auch das ist ein Grund für eine Seite über die DDR.

Dann möchte ich Dir in Stichpunkten einmal ein Beispiele aus dem damaligen Alltag nennen und Du kannst einmal versuchen, Dir das vorzustellen (weil es heute unrealistisch klingt). Schließlich findest Du noch ein paar interessante Downloads und Links.


Kannst Du Dir das heute vorstellen?

  • Eine Einzelfahrt mit der S-Bahn (Preisstufe 1), U-Bahn, Straßenbahn oder Bus kostete 0,20 Mark der DDR. Dafür kostete ein Farbfernseher mit 69er Bildröhre 6.350,00 Mark, eine RFT-Steroanlage etwa 1.000 Mark. Waren des täglichen Bedarfs, auch Lebensmittel, Mieten usw. wurden durch sehr hohe Preise für Konsumgüter quersubventioniert (Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik).
  • Die „Berliner Zeitung“ hatte täglich 8 oder 12 Seiten (am Sonnabend 16 Seiten) und kostete 0,15 Mark.
  • Im Fernsehen gab es zwei Programme, DDR 1 und 2. In Berlin waren die „Westprogramme“ ARD, ZDF und NDR III noch zusätzlich empfangbar, in anderen Ecken des Landes jedoch nicht.
  • Der Supermarkt hieß „Kaufhalle“ und alles, was es dort gab, hatte einen Einheitlichen Verkaufs-Preis (EVP). Der war überall gleich. Dass die Milch, das Brot, das Fleisch usw. bei der HO (Handelsorganisation) und beim KONSUM unterschiedliche Preise hätte, gab es nicht. Man brauchte also in der DDR nirgendwo Preise vergleichen. Auch die Konsumgüter hatten den DDR-weit gültigen EVP. Verballhornung von KONSUM: „Kauft ohne nachzudenken schnell unseren Mist!“
  • Im Bf Berlin-Friedrichstraße bedeutete ein Wechsel von Bahnsteig C (heute S-Bahn) auf B oder A (heute beide Regionalbahn) den Übertritt der Staatsgrenze zwischen zwei Systemen: Der sozialistischen DDR und der kapitalistischen BRD. Die in der DDR liegenden U-Bahnhöfe der U 8 (Bernauer Straße, Rosenthaler Platz, Weinmeisterstraße, Alexanderplatz Ap, Jannowitzbrücke und Heinrich-Heine-Straße) waren ebenso verschlossen wie jene im Transitbereich der U 6 (Stadion der Weltjugend – heute Schwartzkopffstraße –, Nordbahnhof – heute Naturkundemuseum – , Oranienburger Tor, Französische Straße und Stadtmitte C). Auf den Bahnsteigen Alexanderplatz Al und Stadtmitte A waren die Zugänge zur Linie D (U 8) bzw. C (U 6) zugemauert. Auch bei der Nord-Süd-S-Bahn gab es einige „Geisterbahnhöfe“, die erst ab 1990 wieder belebt wurden.
  • Um in andere sozialistische Länder als die ČSSR zu reisen, musste man eine „Reiseanlage zum Personalausweis“ bei der zuständigen Volkspolizei-Meldestelle beantragen. Diese gab es für die sozialistischen Länder Ungarn, Rumänien, Bulgarien, UdSSR und Mongolische Volksrepublik. In letztere beiden Lände konnte man nur im Rahmen organisierter Gruppenreisen gelangen. Für alle anderen Länder brauchte man einen Reisepass, den aber die wenigsten DDR-Bürger bekamen. Spontane Tagestourren oder Kurzreisen waren nur in die ČSSR möglich.
  • Im Verkehrswesen und in anderen Großbetrieben wurde die Arbeiterversorgung auch mit warmen Essen in allen Schichten (früh, spät, teilweise auch nachts) gewährleistet.
  • Auf die Zuweisung eines PKW „Trabant“ wartete man 10 Jahre. Deshalb meldeten junge DDR-Bürger gleich nach dem 18. Lebensjahr ihren Kaufwunsch an.
  • Fehlverhalten und kleinere Straftaten von Werktätigen wurden im Arbeitskollektiv ausgewertet, das war Bestandteil der sozialistischen Erziehung. Der Übeltäter sollte mit vereinten Kräften schnell wieder auf die gesetzestreue Bahn gebracht werden. Die Begriffe „Arbeitnehmer“ und „Arbeitgeber“ gab es nicht, sondern Werktätige und Betriebe. Die Chefs waren immer staatliche Leiter.
  • Die Bäcker hatten montags immer Ruhetag und dafür sonnabends halbtags offen.
  • In Intershops konnen DDR-Bürger nur mit Forum-Schecks bezahlen.
  • Ein Telefongespräch im Ortsbereich (ohne Wahl der Fernverkehrs-Ausscheidungsziffer 0 am Anfang) kostete 0,15 Mark vom heimischen Telefon aus und 0,20 Mark vom Münztelefon aus. Dafür konnte man beliebig lange telefonieren. Bei Ferngesprächen der Zone 3 oder gar ins Ausland klickte der Einheitenzähler (0,15 M bzw. 0,20 M am Münzer) jedoch im Takt weniger Sekunden.
  • „Telegramm“ war kein Messenger wie heute, sondern eine sehr teure Kommunikationsform, bei der nach Wortanzahl bezahlt werden musste und die Übermittlung per Fernschreiber und Bote erfolgte. Das gab es aber nicht nur in der DDR, sondern bei allen Postämtern. Ach ja – Postämter gibt es heute auch nicht mehr. Das erledigen private Verkausstellen.


Downloads

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Begriffe aus der DDR

Von „Ata“ bis „Zugauskunft“ findest Du hier eine kleine Auswahl von Begriffen, die in der DDR zur alltäglichen Umgangssprache gehörten, aber heute teilweise kaum noch bekannt sind. Etliche dieser Begriffe benutzen natürlich auch die Protagonisten in „Konspirative Liebe“. Dort befindet sich am Anfang ein kleiner Lexikon-Teil mit 39 Seiten, in dem diese und noch andere Begriffe teils ausführlicher erklärt werden.

Verzeichnis der Grenzübergangsstellen

Auflistung aller Grenzübergangsstellen der DDR mit den jeweils zugelassenen Verkehrsarten.

Reiseverordnung vom 30.11.1988

Die „Verordnung über Reisen von Bürgern der DDR nach dem Ausland“ wurde von der Volkskammer der DDR am 30.11.1988 verabschiedet und ersetzte eine entsprechende Verordnung vom 15. Februar 1982. Zeitgleich mit der Veröffentlichung der neuen Verordnung verabschiedete die Volkskammer ein Gesetz über die gerichtliche „Nachprüfung von Verwaltungsentscheidungen“. Beides zusammen bewertete der „Spiegel“ im Heft 51/1988 (vom 19.12.1988, Artikel „DDR-Reisen: Nur ein Anfang“, Seite 16) als vorgezogenes Weihnachtsgeschenk für DDR-Bürger. Hier findest Du den Wortlaut der Reiseverordnung.

Sie hatte nur knapp ein Jahr Bestand, bis zu der legendären Pressekonferenz mit Günter Schabowski.

Antrag auf Ausreise der DDR

Der „Ausreiseantrag“ war im Volksmund der (formlos beim zuständigen Rat des Kreises bzw. Rat des Stadtbezirkes gesetllte) Wunsch nach Übersiedlung in die BRD bzw. nach Westberlin. Es gab jedoch auch ein Formular „Antrag auf Ausreise aus der DDR“, das viele Bürger jedes Jahr rechtzeitig vor dem Urlaub ausfüllten. Hier wird mehr zu diesem Thema erklärt und Tinos ausgefülltes Formular gezeigt.


DDR-Museen

Auf dem Gebiet der ehemaligen DDR gibt es eine Reihe von DDR-Museen, die einen Querschnitt durch die damals üblichen Alltagsgegenstände zeigen. Im Buch „Konspirative Liebe“ werden etliche Produkte mitsamt ihren damaligen Herstellern (und teilweise auch mit ihren damaligen Preisen) erwähnt. Wenn Du eines dieser Museen besuchst, kannst Du die Dinge, die Tino und die Meschen in seinem Umfeld damals benutzten, hautnah erleben, bekommst eine viel bessere Vorstellung davon.

Galerie: Exponate aus den DDR-Museen Dragen (Usedom) und Thale

Ich habe bisher einige DDR-Museen (in Berlin, Eisenhüttenstadt und Thale) gesehen und kann Dir in allen den Besuch empfehlen – gerade dann, wenn Du die DDR nicht (mehr) aus eigenem Erleben kennst. Hier Links zu den Stätten, ohne Anspruch auf Vollständigkeit:

  • DDR MuseumBerlin-Mitte im DomAquarée: Das wohl bekannteste Museum seiner Art, mit Dauerausstellung zur Alltagskultur > Facebook-Seite
  • DDR-Museum Dargen: Ein Schwerpunkt hier liegt auf Kraftfahrzeugen. Ursprung war ein im Jahr 1997 gegründetes DDR-Zweiradmuseum.Inzwischen gibt es außer Fahrzeugen aus DDR-Produktion auch solche aus den sozialistischen Bruderländern, darunter IKARUS-Busse. In anderen Räumen gibt es Technik und andere Alltagsgegenstände zu sehen. > Facebook-Seite
  • Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR, Eisenhüttenstadt: Ständige Ausstellung in 10 Räumen, wo „die unterschiedlichen Seiten des DDR-Alltags in Familie und Arbeit“ beleuchtet werden (Zitat von der Webseite). Außerdem wird z.B. erklärt, was die sozialistische Lebensweise ausmachte. Dazu gibt es wechselnde Sonderausstellungen
  • DDR-Museum Thale: Schwerpunkt auf Wohn- und Alltagskultur der DDR. Hier fand ich auch interessante Exponate aus dem Bereich Fotografie.
  • DDR-Museum Pirna: Den Angaben auf der Webseite zufolge ist es in einem über 140jährigen Gebäude untergebracht, das bis 1990 als Kaserne diente. Zuletzt waren hier die NVA-Pioniere und die Chemischen Truppen stationiert. Seit 2005 befindet sich auf 250 m2 ein Museum, das u.a. über ein original eingerichtetes Schulklassenzimmer verfügt. Ebenso soll eine komplett eingerichtete Wohnung vorhanden sein. > Facebook-Seite


Links und empfehlenswerte Bücher zum Thema DDR

An den Links zu den Büchern verdiene ich nichts! Es gibt aber mitunter keine anderen Seiten als Kaufseiten, wo ich Dir das betreffende Buch zeigen könnte. Ich wähle für die Links nach Möglichkeit solche Seiten aus, die einen kleinen Beschreibungstext zum Buch und / oder Autor liefern.

  • Wikipedia: Seite zur DDR und zur Geschichte der DDR
  • Buch „ Edel sei der Stahl, stolz der Mensch“ – „Erinnerungen eines Kombinatsdirektors und Ministers“ von Hans-Joachim Lauck. Die Lektüre gib t sehr interessante Einblicke in das sozialistische Wirtschaftssystem, in die Einflussnahme der SED auf alle Lebensbereiche und bringt nicht zuletzt auch ein wenig Licht in die Frage: Wie kann jemand vom lehrling letztendlich bis zum Minister aufsteigen? Lauck beschreibt seine beruflichen Stationen sehr ausführlich. Ich habe es selbst komplett gelesen.
  • Buch „Meine zwei Halbzeiten“ von Jörg Berger. Hier bekommst Du einen Blick hinter die Kulissen des Fußballs in der DDR und in der BRD. (Das Thema Betriebssportgemeinschaften und BSG-Mannschaften in der DDR-Fußball-Oberliga spricht auch Lauck in seinem Buch an.) Berger wurde Fußballtrainer in der DDR, nutzte ein Auswärtsspiel in Jugoslawien zur Flucht in die BRD. Auf diesem Weg, Jugoslawien – BRD, im Karawankentunnel, endet die erste Halbzeit seines Lebens und beginnt die zweite. Dort lernt er dann den Profifußball in der BRD kennen und muss sich gewaltig umstellen. Auch dieses Werk ist voller Spannung und zum Kennenlernen der DDR empfehlenswert, ich habe auch dieses komplett gelsen.